Tue, Jun 23 Mittagsausgabe Deutsch
PresseLinie Presselinie Tagesbriefing
Aktualisiert 14:07 16 Artikel heute
Blog Lokal Politik Technik Welt Wirtschaft

Insekten – Merkmale, Artenvielfalt und Insektensterben

Arthur William Morgan Sutton • 2026-04-15 • Gepruft von Mia Schneider

Insekten bilden die artenreichste Tiergruppe der Erde. Von der Honigbiene im Garten bis zum seltenen Blauer Apollofalter – ihre Vielfalt ist enorm. Gleichzeitig stehen sie vor massiven Bedrohungen. Dieser Überblick klärt auf, was Insekten ausmacht, wie viele Arten existieren und warum ihr Schutz so bedeutsam ist.

Sie besiedeln nahezu jeden Lebensraum: Wälder, Wiesen, Gewässer und sogar Innenstädte. Ihre Anpassungsfähigkeit macht sie zu einer der erfolgreichsten Tiergruppen überhaupt. Doch während einige Arten als Nützlinge unentbehrlich sind, können andere als Schädlinge auftreten. Was genau definiert ein Insekt, und wo liegen die Unterschiede zu anderen Gliederfüßern?

Was sind Insekten?

Insekten gehören zur Klasse der Gliederfüßer und stellen damit die artenreichste Tiergruppe weltweit dar. Ihr Körper ist von einem stabilen Außenskelett aus Chitin umgeben, das gleichzeitig Schutz und Flexibilität bietet. Anders als Wirbeltiere besitzen sie kein inneres Knochenskelett.

Merkmale und Körperform

Der Körper gliedert sich in drei deutlich erkennbare Abschnitte: Kopf, Brust und Hinterleib. Am Kopf befinden sich ein Paar Fühler, Facettenaugen und spezialisierte Mundwerkzeuge. Die Brust trägt drei Beinpaare sowie bei den meisten Arten zwei Flügelpaare. Der Hinterleib enthält die Verdauungs- und Geschlechtsorgane.

Wusstest du schon?

Insekten können ihre Körperform nicht verändern wie Wirbeltiere. Stattdessen wachsen sie durch regelmäßige Häutungsprozesse, bei denen das alte Außenskelett abgelegt wird.

Die sechs Beine: Angepasst an verschiedene Lebensweisen

Stets drei Paar Beine – das gehört zur grundlegenden Definition von Insekten. Diese Beine sind je nach Lebensweise spezialisiert:

  • Laufbein: Fortbewegung an Land, zu finden bei Laufkäfern und Schmetterlingen
  • Schwimmbein: Rudern im Wasser, typisch für den Gelbrandkäfer
  • Sprungbein: Ermöglicht weite Sprünge, bekannt von der Heuschrecke
  • Fangbein: Beutefang mit Dornen, charakteristisch für die Gottesanbeterin
  • Sammelbein: Pollen sammeln und transportieren, ausgebildet bei der Honigbiene
  • Grabbein: Graben in Erde, anzutreffen bei der Maulwurfsgrille

Jedes Bein besteht aus fünf Segmenten: Hüfte, Schenkelring, Oberschenkel, Unterschenkel und Fußglieder.

Steckbrief: Die wichtigsten Merkmale

Merkmal Details
Beine 6 (drei Paar)
Körperteile 3 (Kopf, Thorax, Abdomen)
Augen Facettenaugen
Atmung Über Tracheensystem
Skeletttyp Außenskelett (Exoskelett)
Metamorphose Voll- oder unvollständig

Wesentliche Unterschiede zu Spinnen

Spinnen werden häufig irrtümlicherweise zu den Insekten gezählt. Tatsächlich gehören sie zur Klasse der Spinnentiere und unterscheiden sich in mehreren wesentlichen Merkmalen: Sie besitzen vier Paar Beine statt drei, einen Körper aus nur zwei Teilen und nutzen Kieferklauen als Mundwerkzeuge. Auch Zecken und Skorpione zählen nicht zu den Insekten.

Sowohl Insekten als auch Spinnen verfügen über ein Außenskelett aus Chitin. Dieses Material ist besonders stabil, biegsam und wasserdicht – eine evolutionäre Anpassung, die ihnen das Leben in verschiedensten Lebensräumen ermöglicht.

Wie viele Insektenarten gibt es?

Die Artenvielfalt der Insekten ist enorm. Wissenschaftler haben weltweit etwa eine Million Arten wissenschaftlich beschrieben. Schätzungen zufolge könnten jedoch zwischen fünf und dreißig Millionen Arten existieren. Rund sechzig Prozent aller bekannten Tierarten gehören zur Klasse der Insekten.

Artenreichste Gruppen weltweit

Gruppe Arten weltweit (ca.)
Käfer 400.000
Hautflügler (Bienen, Wespen) 200.000
Schmetterlinge 150.000
Zweiflügler (Fliegen) 85.000
Wanzen 40.000

Insekten in Deutschland

In Deutschland sind nach aktuellem Stand (2022) etwa 33.000 bis 34.000 Insektenarten dokumentiert. Diese Zahl entspricht ungefähr siebzig Prozent aller bekannten Tierarten hierzulande, bei insgesamt 48.000 erfassten Tierarten. Besonders bemerkenswert: 580 verschiedene Wildbienenarten, über 10.000 Schlupfwespenarten und 185 Tagfalterarten wurden nachgewiesen.

Artenvielfalt im Vergleich

Allein in Deutschland leben mehr Insektenarten als in vielen Ländern der Welt an Tierarten insgesamt vorkommen. Die heimische Artenvielfalt macht das Land zu einem wichtigen Hotspot für Insektenforschung.

Sind Spinnen Insekten?

Nein, Spinnen sind keine Insekten. Diese Unterscheidung ist von grundlegender Bedeutung für das Verständnis der Tierklassifikation. Spinnen gehören zur Klasse der Spinnentiere (Arachnida), während Insekten eine eigene Klasse (Insecta) bilden.

Deutliche Unterschiede im Körperbau

Der augenfälligste Unterschied liegt in der Beinzahl: Spannen besitzen acht Beine, Insekten hingegen nur sechs. Auch die Körperstruktur unterscheidet sich erheblich. Spinnen weisen einen Vorderleib und einen Hinterleib auf, die durch einen schmalen Stiel verbunden sind. Insekten zeigen dagegen die Dreiteilung Kopf-Brust-Hinterleib.

Weitere Unterscheidungsmerkmale betreffen die Mundwerkzeuge. Während Insekten verschiedene spezialisierte Mundwerkzeuge wie Kau-, Saug- oder Leckapparate besitzen, verfügen Spinnen über Kieferklauen (Cheliceren), die Gift enthalten können.

Verwechslungsgefahr

Milben, Zecken und Skorpione gehören ebenfalls zu den Spinnentieren und sind keine Insekten. Bei der Bestimmung von Arten ist die Beinzahl ein einfaches Unterscheidungsmerkmal.

Warum ist das Insektensterben ein Problem?

Das Insektensterben bezeichnet den dramatischen und anhaltenden Rückgang der Insektenpopulationen weltweit. Dieses Phänomen stellt eines der größten ökologischen Probleme unserer Zeit dar. Die Krefeld-Studie aus dem Jahr 2017 lieferte erschreckende Belege: In deutschen Naturschutzgebieten ging die Insektenbiomasse seit 1989 um 76 Prozent zurück.

Ursachen des Rückgangs

Mehrere Faktoren verursachen das Insektensterben. Der Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft gilt als eine der Hauptursachen. Monokulturen zerstören natürliche Lebensräume und reduzieren das Nahrungsangebot. Der Klimawandel verändert ökologische Zusammenhänge, während die zunehmende Urbanisierung weitere Habitate vernichtet.

Nach Angaben des Naturschutzbunds Deutschland (NABU) sind von den 33.000 bekannten Arten hierzulande viele gefährdet. Der NABU fordert eine insektenschonende Landwirtschaft, die Anlage von Blühstreifen und eine deutliche Pestizidreduktion.

Die ökologische Bedeutung von Insekten

Insekten erfüllen unverzichtbare Funktionen in Ökosystemen. Sie bestäuben rund achtzig Prozent aller Nutzpflanzen und sind damit direkt abhängig von menschlicher Nahrungssicherheit. Bienen, Schmetterlinge und bestimmte Käferarten sind besonders wichtige Bestäuber.

Nützlinge wie Schlupfwespen und Laufkäfer regulieren Schädlingspopulationen auf natürliche Weise. Sie reduzieren den Bedarf an chemischen Schädlingsbekämpfungsmitteln. Insekten dienen zudem als Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse und andere Tiere. Ohne Insekten würde die gesamte Nahrungskette zusammenbrechen.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen

Der Rückgang von Bestäubern bedroht die Landwirtschaft unmittelbar. Ohne Insektenbestäubung würden Erträge bei Obst, Gemüse und Ölsaaten drastisch sinken. Die wirtschaftlichen Schäden sind kaum zu beziffern, doch Experten schätzen die globale Abhängigkeit der Landwirtschaft von Bestäubern auf mehrere hundert Milliarden Euro jährlich.

Gleichzeitig sind nicht alle Insektenarten nützlich. Einige übertragen Krankheiten oder schädigen Kulturpflanzen. Der Großteil der Arten erfüllt jedoch wichtige ökologische Aufgaben, die weit über ihre unmittelbare Wirkung hinausgehen. Während die meisten Insekten nützlich sind, gibt es auch einige, die Krankheiten übertragen oder Pflanzen schädigen, und für diejenigen, die mehr über giftige Spinnen erfahren möchten, gibt es hier Giftige Tarantula Fakten und Mythen.

Die Evolution der Insekten: Eine Zeitreise

Die Entwicklungsgeschichte der Insekten erstreckt sich über Hunderte von Millionen Jahren. Fossile Funde belegen, dass Insekten bereits vor etwa 385 Millionen Jahren existierten – lange bevor die Dinosaurier die Erde bevölkerten.

  1. ca. 400 Millionen Jahre: Erste Insekten erscheinen im Devon; sie ähneln einfachen, flügellosen Arten
  2. ca. 300 Millionen Jahre: Flugfähigkeit entwickelt sich; erste Fluginsekten erobern die Lüfte
  3. ca. 250 Millionen Jahre: Nach dem Massenaussterben am Ende des Perm besetzen Insekten neue ökologische Nischen
  4. Heute: Geschätzte 10 Millionen Arten existieren, wobei Wissenschaftler noch viele unentdeckte Arten vermuten
  5. 2017: Veröffentlichung der Krefeld-Studie, die das massive Insektensterben dokumentiert
  6. 2024: EU verabschiedet Maßnahmen zum Schutz von Bestäubern

Feste Fakten und verbleibende Unsicherheiten

Wissenschaft stößt bei der Erforschung von Insekten sowohl auf gesicherte Erkenntnisse als auch auf offene Fragen. Einige Sachverhalte sind zweifelsfrei belegt, während andere der wissenschaftlichen Untersuchung bedürfen.

Bewiesene Fakten Verbleibende Unsicherheiten
Insekten haben stets sechs Beine Exakte Gesamtartenzahl ist unbekannt (Schätzungen zwischen 5 und 30 Millionen)
Spinnen sind keine Insekten Einzelne Ursachen des Insektensterbens in Wechselwirkung schwer zu isolieren
Insekten besitzen ein Außenskelett aus Chitin Langfristige Auswirkungen des Klimawandels auf spezifische Arten

Schutzmaßnahmen und Handlungsoptionen

Angesichts des dramatischen Insektenrückgangs sind Schutzmaßnahmen auf verschiedenen Ebenen erforderlich. Auf politischer Ebene setzen sich Umweltorganisationen für strengere Regulierungen ein. Die Bundesregierung hat verschiedene Maßnahmen zum Schutz von Insekten vorgelegt.

Landwirte können Blühstreifen anlegen und den Pestizideinsatz reduzieren. Der NABU empfiehlt Gartenbesitzern, auf insektenschädliche Chemikalien zu verzichten und stattdessen heimische Pflanzen anzubauen. Auch Städte können durch grüne Korridore und naturnahe Parks Lebensräume schaffen.

Individuelle Maßnahmen umfassen das Anlegen von Insektenhotels, den Verzicht auf Pestizide im Garten und die Förderung von Wildpflanzen. Jeder Beitrag zählt, um das ökologische Gleichgewicht zu erhalten. Wer mehr über die Bedeutung von Palmen für die biologische Vielfalt erfahren möchte, findet weitere Informationen zu diesem verwandten Thema.

Expertenstimmen zum Thema

„Insekten sind die Basis des Ökosystems. Ohne sie wäre kein Leben auf der Erde in seiner jetzigen Form möglich.”

— Naturschutzbund Deutschland (NABU)

„Die Krefeld-Studie zeigt einen Biomasserückgang von 75 Prozent innerhalb von dreißig Jahren. Das ist ein Alarmzeichen, das nicht ignoriert werden darf.”

Studie veröffentlicht im PLOS ONE Journal

Die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich einig, dass das Insektensterben nicht auf eine einzelne Ursache zurückzuführen ist. Vielmehr wirken mehrere Faktoren zusammen, was die Bekämpfung des Problems besonders herausfordernd macht.

Zusammenfassung und Ausblick

Insekten sind die artenreichste Tiergruppe der Erde und erfüllen unverzichtbare ökologische Funktionen. Mit sechs Beinen, einem dreigeteilten Körper und einem Außenskelett aus Chitin unterscheiden sie sich klar von Spinnentieren wie Spinnen oder Zecken. Weltweit existieren etwa eine Million bekannte Arten, in Deutschland allein über 33.000.

Das Insektensterben bedroht Bestäubung, Nahrungsketten und die biologische Vielfalt insgesamt. Die Ursachen sind vielfältig – von Pestizideinsatz über Monokulturen bis zum Klimawandel. Schutzmaßnahmen auf politischer, landwirtschaftlicher und individueller Ebene sind notwendig, um das ökologische Gleichgewicht zu bewahren.

Weitere Informationen zum Thema biologische Vielfalt und Artenschutz bietet der Bundesnaturschutzfonds.

Häufig gestellte Fragen

Sind alle Insekten schädlich?

Nein, die Mehrheit der Insektenarten ist nützlich oder zumindest harmlos. Nützlinge wie Bienen, Schlupfwespen und Laufkäfer erfüllen wichtige ökologische Aufgaben wie Bestäubung und Schädlingsbekämpfung.

Was fressen Insekten?

Die Nahrung von Insekten ist je nach Art sehr unterschiedlich. Pflanzenfresser ernähren sich von Blättern, Nektar oder Pollen. Raubtiere jagen andere Insekten. Aasfresser und Zersetzer spielen eine wichtige Rolle bei der Nährstoffkreislauf.

Wie entstehen Insekten?

Insekten durchlaufen verschiedene Entwicklungsstadien. Bei der vollständigen Metamorphose wandeln sich Larven über ein Puppenstadium zum erwachsenen Tier um. Bei der unvollständigen Metamorphose schlüpfen Jungtiere bereits als Miniaturformen der Adulten.

Wie viele Insektenarten gibt es in Deutschland?

In Deutschland sind etwa 33.000 bis 34.000 Insektenarten dokumentiert (Stand 2022). Dazu gehören 580 Wildbienenarten, über 10.000 Schlupfwespenarten und 185 Tagfalterarten.

Haben Insekten Knochen?

Nein, Insekten besitzen kein inneres Skelett aus Knochen. Stattdessen schützt ein Außenskelett aus Chitin und Sklerotin ihren Körper. Dieses Exoskelett ist stabil, biegsam und wasserdicht.

Warum sind Bienen so wichtig?

Bienen gehören zu den wichtigsten Bestäubern weltweit. Etwa achtzig Prozent aller Nutzpflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen. Ohne Bienen und andere Bestäuber würden Obst, Gemüse und Ölsaaten massiv weniger Erträge liefern.

Was ist die Krefeld-Studie?

Die Krefeld-Studie ist eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2017, die einen dramatischen Rückgang der Insektenbiomasse in deutschen Naturschutzgebieten dokumentierte. Seit 1989 wurde ein Verlust von 76 Prozent gemessen.

Arthur William Morgan Sutton

Uber den Autor

Arthur William Morgan Sutton

Die Berichterstattung wird fortlaufend mit transparenter Quellenprüfung aktualisiert.