
Marlene Engelhorn – Erbin verteilt 25 Millionen per Bürgerrat
Wer ist Marlene Engelhorn? Die BASF-Erbin plant 90% ihres Vermögens zu verschenken. Alles zu Initiative ‘Guter Rat’, Hintergrund & Kontroversen.
32 Jahre, geboren in Wien
Zweistelliger Millionenbetrag (geschätzt ca. 30 Mio. €)
Bürgerrat „Guter Rat für Rückverteilung” mit 50 Mitgliedern
90% des Erbes verschenken bei ausbleibender Steuerreform
Wer ist Marlene Engelhorn?
Marlene Engelhorn sorgt seit Jahren für Aufsehen: Die 1992 in Wien geborene Erbin einer der reichsten deutschen Familien hat angekündigt, 90 Prozent ihres Vermögens zu verschenken. Ihr Projekt „Guter Rat für Rückverteilung” – ein Bürgerrat aus 50 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern – verteilte 2024 insgesamt 25 Millionen Euro an 77 Organisationen in den Bereichen Klima, Gesundheit, Soziales und Bildung.
Mit der Initiative will Engelhorn nicht nur Geld verteilen. Sie mischt sich aktiv in die Debatte um Vermögensungleichheit, Erbschaftsteuer und Vermögensteuer ein. Als Mitgründerin der Bewegung „Tax Me Now” fordert sie gemeinsam mit rund 60 anderen Vermögenden eine gerechte Besteuerung von Superreichen. Die Reaktionen auf ihr Engagement reichen von Bewunderung bis hin zu grundsätzlicher Kritik an ihrem Ansatz. Mehr zum Thema Sarah Lombardi und anderen Figuren der Vermögensdebatte finden Sie in unserem Archiv.
Dieser Artikel beleuchtet ihre Biografie, die Hintergründe ihres Vermögens, die Funktionsweise ihres Bürgerrats und die Kontroversen, die ihr Handeln auslöst.
Marlene Engelhorn wurde 1992 in Wien geboren und ist eine österreichisch-deutsche Aktivistin und Publizistin. Ihre Familie gehört zur Engelhorn-Dynastie, deren Vermögen auf den Verkauf des Pharmakonzerns Boehringer Mannheim zurückgeht. Dieses Familienvermögen wird auf etwa 2,2 Milliarden Euro geschätzt – Platz 102 unter den 500 reichsten Deutschen.
Engelhorn ist Nachfahrin von Friedrich Engelhorn, dem Gründer der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik AG (BASF). Ihre Großmutter Gertraud „Traudl” Engelhorn-Vechiatto heiratete 1955 Peter Engelhorn, einen Urenkel Friedrich Engelhorns und Mitgesellschafter der Boehringer-Mannheim-Gruppe. Der Verkauf der Familienanteile an Hoffmann-La Roche erbrachte 1997 elf Milliarden US-Dollar – steuerfrei über eine Bermuda-Holding. Über ihr Privatleben ist wenig öffentlich bekannt.
Kernfakten zu Motivation und Umsetzung
- Erbschaft: 2022 erbte Engelhorn einen zweistelligen Millionenbetrag von ihrer Großmutter.
- Planung: Bereits seit 2019 kündigte sie an, mindestens 90 Prozent ihres Erbes zu spenden.
- Bürgerrat: 50 zufällig ausgewählte Bürger im Alter von 17 bis 85 Jahren entschieden über die Verteilung von 25 Millionen Euro.
- Treffen: Sechs Wochenendtreffen fanden zwischen März und Juni 2024 in Salzburg statt.
- Empfänger: 77 Organisationen erhielten Beträge zwischen 40.000 und 1,6 Millionen Euro.
- Ausschlüsse: Keine Förderung für verfassungswidrige, lebensfeindliche oder profitorientierte Zwecke.
- Politischer Anspruch: Engelhorn betrachtet Philanthropie als Notlösung – sie fordert strukturelle Steuerreformen.
Steckbrief: Fakten zu Marlene Engelhorn
| Fakt | Details | Quelle |
|---|---|---|
| Geburtsjahr | 1992 | Öffentliche Angaben |
| Geburtsort | Wien | Öffentliche Angaben |
| Nationalität | Österreichisch-deutsch | Wikipedia |
| Erbe | Zweistelliger Millionenbetrag (2022) | Selbstangabe, Wikipedia |
| Familienvermögen | Ca. 2,2 Mrd. € | Manager Magazin |
| Verteilte Summe | 25 Mio. € (2024) | Manager Magazin |
| Empfängerorganisationen | 77 | Manager Magazin |
Wie viel Vermögen hat Marlene Engelhorn und was plant sie damit?
Das Familienvermögen der Engelhorns wird auf etwa 2,2 Milliarden Euro geschätzt. Der Gesamtwert setzt sich aus dem Verkauf des Pharmakonzerns Boehringer Mannheim an Hoffmann-La Roche zusammen – ein Deal, der 1997 elf Milliarden US-Dollar einbrachte. Die Erbschaft, die Marlene Engelhorn 2022 von ihrer Großmutter Gertraud Engelhorn-Vechiatto erhielt, umfasst einen zweistelligen Millionenbetrag.
Engelhorn selbst hat das genaue Erbe nicht öffentlich beziffert. In einem Interview mit dem FOCUS erklärte sie, dass das Erbe größer sei als die 25 Millionen Euro, die sie über den Bürgerrat verteilte. Sie behielt demnach einen erheblichen Teil zurück – auch als Reaktion auf ausbleibende Steuerreformen.
Warum behält sie einen Teil zurück?
Engelhorn hat mehrfach betont, dass Philanthropie allein keine Lösung für gesellschaftliche Probleme sei. Sie sieht die Abhängigkeit von Spenden und Wohltätigkeit als problematisch an, solange strukturelle Reformen – etwa eine Erbschaftsteuer oder Vermögensteuer – ausbleiben. Der einbehaltene Teil ihres Vermögens soll nach eigener Aussage entweder gespendet werden, falls entsprechende Reformen kommen, oder als Rücklage dienen.
Ähnliche Initiativen wie die von US-Milliardär Chuck Feeney zeigen, dass umfangreiche Schenkungen über Stiftungen möglich sind. Engelhorns Ansatz unterscheidet sich jedoch durch den Bürgerbeteiligungsaspekt.
Was ist das Projekt „Guter Rat für Rückverteilung”?
Der „Gute Rat für Rückverteilung” ist ein Bürgerrat, den Marlene Engelhorn ins Leben rief. Im Januar 2024 stellte sie 25 Millionen Euro zur Verfügung, die von 50 zufällig ausgewählten Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 17 bis 85 Jahren verteilt werden sollten. Die Auswahl der Teilnehmer erfolgte nach dem Zufallsprinzip, um eine demografisch breite Repräsentation sicherzustellen.
Wie funktioniert der Bürgerrat?
Die 50 Ratsmitglieder kamen über mehrere Wochenenden in Salzburg zusammen – zwischen März und Juni 2024 fanden sechs Treffen statt. Dabei diskutierten sie in Gruppen und trafen kollektive Entscheidungen über die Vergabe der 25 Millionen Euro. Engelhorn selbst trat dabei als Geberin auf und bestimmte lediglich die Rahmenbedingungen: Das Geld durfte nicht an Organisationen mit verfassungswidrigen, lebensfeindlichen oder profitorientierten Zwecken gehen.
Die Empfängerorganisationen stammten aus den Bereichen Klima und Umwelt, Gesundheit, Soziales, Integration und Bildung. Unter den 77 Begünstigten befanden sich namhafte Organisationen wie Caritas, Diakonie, der Naturschutzbund Deutschland, Attac und Reporter ohne Grenzen. Die Einzelbeträge lagen zwischen 40.000 und 1,6 Millionen Euro.
Was bedeutet „Rückverteilung”?
Engelhorn spricht bewusst von „Rückverteilung” und nicht von Spenden oder Philanthropie. Sie vertritt die Position, dass ihr Vermögen auf gesellschaftlichen Strukturen basiert – auf funktionierenden Märkten, Rechtsstaatlichkeit und öffentlicher Infrastruktur. Diese Strukturen hätten ihr Erbe ermöglicht, weshalb ein Teil des Vermögens der Gesellschaft zurückgegeben werden sollte. In einem Bericht des Manager Magazins zitierte sie: „Ein Großteil meines geerbten Vermögens wurde nun im Einklang mit demokratischen Werten rückverteilt.”
Bürgerräte werden zunehmend als Instrument deliberativer Demokratie erprobt. Die Besonderheit von Engelhorns Projekt liegt in der konkreten Entscheidungsbefugnis über eine große Geldsumme.
Warum verteilt Marlene Engelhorn 90 Prozent ihres Vermögens?
Engelhorns Motivation lässt sich nicht auf einen einzelnen Faktor reduzieren. Sie kritisiert die extreme Vermögensungleichheit – das reichste ein Prozent besitzt rund 50 Prozent des Gesamtvermögens. Gleichzeitig bemängelt sie das Fehlen einer Erbschaftsteuer in Österreich und einer Vermögensteuer in Deutschland. Ihrer Ansicht nach wurde ihr Vermögen durch gesellschaftliche Strukturen ermöglicht, nicht allein durch unternehmerische Leistung.
Die Rolle von „Tax Me Now”
Neben ihrer individuellen Initiative ist Engelhorn Mitgründerin von „Tax Me Now” – einer Bewegung, der sich etwa 60 Vermögende angeschlossen haben. Gemeinsam fordern sie die Wiedereinführung der Vermögensteuer in Deutschland (die seit 1997 ausgesetzt ist), die Erhebung einer Erbschaftsteuer in Österreich (die dort 2008 aufgehoben wurde) und eine einprozentige Sondersteuer zur Bekämpfung von Pandemien, Armut und Klimawandel.
Engelhorn sieht Philanthropie als unzureichend an, wenn sie als Ersatz für strukturelle Reformen dient. Sie argumentiert, dass Spendenwillkür kein demokratisches Prinzip sei – die Entscheidung darüber, wem Geld zufließt, sollte nicht bei einzelnen Reichen liegen, sondern auf Basis demokratischer Prozesse erfolgen. Diese Position brachte ihr Kritik ein, aber auch Anerkennung als Teil einer neuen Bewegung junger, progressiver Millionäre.
Kritiker argumentieren, dass philanthropische Initiativen wie die von Engelhorn von der eigentlich notwendigen Debatte über Umverteilung durch Steuern ablenken könnten.
Welche Kontroversen umgibt Marlene Engelhorn?
Engelhorns Engagement ist nicht unumstritten. Die Kernkritik richtet sich gegen ihre grundsätzliche Haltung zu geerbtem Reichtum. Sie bezeichnet Erbschaft als „undemokratisch”, da sie Menschen „durch Geburt in Machtposition” bringe und die Demokratie gefährde. Diese Rhetorik provoziert – einerseits wegen ihrer Radikalität, andererseits weil sie aus dem Mund einer Nutznießerin kommt.
Philanthropie versus Steuern
Eine zentrale Kontroverse betrifft die Frage, ob Philanthropie ein geeignetes Mittel zur Umverteilung ist. Engelhorn selbst räumt ein, dass Spendenwillkür problematisch sei, da Reiche nicht selbst darüber entscheiden sollten, wem ihr Geld zugutekommt. Kritiker halten dem entgegen, dass philanthropische Großzügigkeit von der Diskussion über strukturelle Reformen ablenke und das bestehende System legitimiere.
Die Bermuda-Verbindung
Engelhorns Kritik an fehlender Erbschaftsbesteuerung wirft auch Fragen zur eigenen Familiengeschichte auf. Der Verkauf der Boehringer-Mannheim-Anteile 1997 erfolgte steuerfrei über eine Bermuda-Holding – ein Steuermodell, das die Familie nutzte. Engelhorn hat diese Praxis nicht direkt kommentiert, aber implizit Kritik an der Steuerfreiheit großer Vermögen geübt.
Als Mitglied der Guerrilla Foundation – wo sie 2020 ein Volontariat absolvierte – gehört Engelhorn zu einer internationalen Bewegung, die sich für eine stärkere Besteuerung von Vermögen einsetzt. Der Spiegel berichtete mehrfach über ihren Kampf um die Erbschaftsteuer und die Frage der Gerechtigkeit.
Chronologie: Die wichtigsten Ereignisse
- 1992: Geburt in Wien.
- 2019: Ankündigung, 90 Prozent ihres Erbes zu spenden; Gründung von Tax Me Now.
- 2020: Volontariat bei der Guerrilla Foundation.
- 2022: Tod der Großmutter Traudl Engelhorn-Vechiatto; Erbschaft eines zweistelligen Millionenbetrags.
- Januar 2024: Ankündigung, 25 Millionen Euro via Bürgerrat zu verteilen.
- März–Juni 2024: Sechs Treffen des „Guten Rats” in Salzburg.
- 2024: Verteilung der 25 Millionen Euro an 77 Organisationen; Pressekonferenz mit Ergebnis.
Was ist bekannt – und was bleibt unklar?
| Bereich | Feststeht | Unklar |
|---|---|---|
| Vermögen | Zweistelliger Millionenbetrag geerbt (2022) | Genaue Höhe unbekannt |
| Familienvermögen | Ca. 2,2 Milliarden Euro | Aktuelle Aufteilung |
| Verteilte Summe | 25 Millionen Euro (2024) | Verwendung des einbehaltenen Vermögens |
| Initiative | Bürgerrat mit 50 Mitgliedern, 77 Empfänger | Geplante Fortsetzung? |
| Steuerreform | Forderung nach Vermögen- und Erbschaftsteuer | Politische Umsetzungschancen |
| Privatleben | Wenig öffentlich bekannt | Genaues Erbe, aktuelle Lebenssituation |
Die Bedeutung von Philanthropie und Steuerreform
Engelhorns Fall wirft grundsätzliche Fragen über die Rolle von Philanthropie in einer Demokratie auf. Einerseits ermöglichen Spenden und Stiftungen schnelles Handeln, wo politische Prozesse scheitern. Andererseits perpetuieren sie eine Struktur, in der wenige Reiche über die Verwendung großer Summen entscheiden – ein Machtgefälle, das demokratischen Prinzipien widerspricht.
Die Debatte ist nicht neu, aber Engelhorn bringt sie in einen deutschen und österreichischen Kontext. Während in den USA philanthropische Stiftungen wie die von Bill Gates oder Warren Buffett seit Jahrzehnten diskutiert werden, ist die Diskussion im deutschsprachigen Raum weniger etabliert. Engelhorns Initiative könnte als Impuls dienen, die Rolle von Erbschaften und Vermögensteuern neu zu verhandeln.
Mit der Verteilung von 25 Millionen Euro hat sie einen konkreten Beitrag geleistet. Ob ihre Forderung nach struktureller Reform – einer gerechten Besteuerung von Erbschaften und Vermögen – ebenfalls Gehör findet, bleibt abzuwarten. Die Initiative „Tax Me Now” zeigt jedoch, dass sie nicht allein steht: Rund 60 Vermögende teilen ihre Forderung nach einer stärkeren Besteuerung von Superreichen.
Ökonomen und Politikwissenschaftler diskutieren zunehmend, ob Erbschaftsteuern notwendig sind, um Vermögensungleichheit einzudämmen. Die Debatte wird durch Initiativen wie die von Engelhorn befeuert.
Zusammenfassung und Ausblick
Marlene Engelhorn verkörpert eine neue Form des philanthropischen Engagements: nicht stilles Geben, sondern aktivistisches Verteilen. Mit ihrem Bürgerrat hat sie einen demokratischen Ansatz gewählt, der über klassische Wohltätigkeit hinausgeht. Die 25 Millionen Euro, verteilt an 77 Organisationen, sind ein spürbarer Beitrag – aber auch ein Symbol für die Forderung nach struktureller Veränderung.
Ob ihr Modell Nachahmer findet, wird auch davon abhängen, ob die politischen Rahmenbedingungen sich verändern. Solange Erbschaft- und Vermögensteuern fehlen, wird Philanthropie eine Rolle spielen – aber möglicherweise nicht die Lösung sein, die Engelhorn anstrebt. Ihre Stimme bleibt dennoch ein wichtiger Beitrag zur Debatte über Reichtum, Gerechtigkeit und demokratische Teilhabe.
Quellen und Zitate
„Ein Großteil meines geerbten Vermögens wurde nun im Einklang mit demokratischen Werten rückverteilt.”
— Marlene Engelhorn, Manager Magazin 2024
„Diese Frau will dringend 25 Millionen Euro loswerden – hier erklärt sie, warum.”
— FOCUS-Interview 2024
Häufige Fragen
Was ist der Hintergrund ihrer Erbschaft?
Engelhorn erbte 2022 einen zweistelligen Millionenbetrag von ihrer Großmutter Traudl Engelhorn-Vechiatto, die zur reichen Engelhorn-Dynastie gehörte. Die Familie verdankt ihr Vermögen dem Verkauf von Boehringer Mannheim an Hoffmann-La Roche.
Woher kommt ihr Reichtum?
Der Reichtum geht auf Friedrich Engelhorn zurück, den Gründer der BASF, sowie auf den späteren Verkauf des Pharmakonzerns Boehringer Mannheim. Das Familienvermögen wird auf etwa 2,2 Milliarden Euro geschätzt.
Was plant sie mit dem restlichen Vermögen?
Engelhorn behielt einen Teil ihres Vermögens einstweilen zurück. Sie hat angekündigt, auch diesen Betrag zu spenden, falls entsprechende Steuerreformen kommen. Andernfalls soll das Geld schrittweise verteilt werden.
Welche Kritik gibt es an ihrem Engagement?
Kritiker bemängeln, dass Philanthropie als Ersatz für notwendige Steuerreformen dienen könnte. Andere hinterfragen die Spannung zwischen Engelhorns Kritik an Erbschaften und ihrer eigenen Familiengeschichte mit steuerfreien Vermögensübertragungen.
Gibt es aktuelle News zu Marlene Engelhorn?
Nach der Verteilung der 25 Millionen Euro im Jahr 2024 konzentriert sich Engelhorn weiterhin auf ihre Arbeit bei Tax Me Now und die Guerrilla Foundation. Medien berichten regelmäßig über ihre Beiträge zur Debatte um Vermögensungleichheit.